Von der Phantasie zur Realität

Mit Tai Chi ist es nichts anderes als mit allem neuen Dingen die man lernt. Am besten ist es, bei einem Kurs oder Seminar die mitgebrachten Konzepte, das bereits erworbene Wissen beiseite zu lassen. Ein chinesisches Sprichwort sagt, dass es notwendig ist seine Tasse vollständig leeren, damit Sie mit neuem, frischen Tee gefüllt werden kann. Das bedeutet keineswegs alles vorher Gelernte zu negieren oder über Bord zu werfen. Doch sollte man sich auch nicht an die alten Muster und Konzepte klammern und Angst davor haben, dass sie sich manche als falsch entpuppen könnten. Tai Chi ist ein klares Licht, das Dinge in ihrer unverfälschten Natur erfahrbar macht. Es hilft Irrwege zu erkennen und zu korrigieren.

Phantasie Spiralen und Traum Wellen

So haben oft Menschen die sich schon lange mit Körperarbeit beschäftigen, die größten Schwierigkeiten im Tai Chi Fortschritte zu machen. Speziell Leute die Tai Chi schon „kennen“ und „wissen worum es geht“. Oft zeige ich eine Bewegung und der Schüler erklärt mir sofort, dass er/sie das schon kennt. Dann vom Schüler ausgeführt, wird aber mehr als deutlich, dass er einfach den alten Mustern folgend etwas völlig anderes als die gezeigte Bewegung ausführt. Darauf hingewiesen sind dann solche „exzellenten Kenner“ ihres Körpers meistens vor den Kopf gestoßen. Oft bekomme ich dann ausführliche Erklärungen über irgendwelche Spiralen oder Energiewellen, die nichts mit der Realität der Bewegung an sich zu tun haben. Wirkliches Lernen ist nicht möglich, wenn man die direkte Erfahrung durch mitgebrachte Phantasie-Konzepte blockiert. So kann ich nur jedem empfehlen, keinen Tai Chi Kurs zu buchen nur um das bereits erkannte bestätigt zu bekommen. Das Geld ist dann zum Beispiel in einem schönen Urlaub viel sinnvoller investiert.

Klare Wahrnehmung statt Interpretation

Denn Tai Chi und Qi Gong sind beides Formen der Meditation, auch diese Tatsache wird oft zur  leeren Floskel gemacht. Meditation bedeutet das Mental in einen passiven Zustand der wertfreien Beobachtung zu versetzten. Das Bewusstsein wird vom Kommentator zum Beobachter, nur so ist eine klare Wahrnehmung möglich. Die klare Wahrnehmung einer Bewegung führt dann zu direkter Erkenntnis und wahrem Wissen. Die klare Wahrnehmung befähigt einen sich entlang der natürlichen Strukturen des Körpers zu bewegen und unnötige Anstrengung zu vermeiden. Die natürlichen, harmonischen Bewegungen führen zu Ruhe und Gelassenheit im gesamten Wesen, das ist Tai Chi Chuan. Auf diese Art und Weise wurden diese inneren Künste entwickelt und nur so können sie sich weiterentwickeln.

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