Sich zur Ruhe zwingen

Ein sehr altes Sprichwort mit tiefem Sinn – so einfach es auch klingen mag, sagt „In der Ruhe liegt die Kraft“. Aber inwieweit beachten wir es heute noch, was bedeutet es wirklich? Es bedeutet jedenfalls nicht, langsam zu arbeiten und seine Kraft für sich zu behalten, wie es manche gerne belustigt auslegen wollen.

Nahrungsquellen

Der Mensch verfügt über viele Nahrungsquellen zur Energiegewinnung – nicht nur Essen und Trinken – auch Schlafen, Licht oder Ruhe gehören dazu. Im Atem liegt die Lebenskraft und ohne die Ruhe hören wir unseren Atem nicht. Der Mensch muss zur Ruhe kommen um neue Energie aufzunehmen, und er muss zur Ruhe kommen um gesund zu werden.

Ruhe und Gesundheit

Alle Krankheiten stehen in einem gewissen Zusammenhang mit Ruhe oder viel mehr mit Unruhe. Manche Krankheiten zeigen das sehr unmittelbar. Ein schwaches Immunsystem weist unter anderem darauf hin, dass diese Person zu wenig Ruhe aufnehmen, zu wenig neue Energie nachholen kann. Für Patienten mit Epilepsie, mit Ängsten oder sogar Angststörungen, mit Schlafstörungen, Depressionen, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen (und so geht es immer weiter) sind Ruhe und Ordnung im Körper essentiell für eine angestrebte Besserung.

Wie kommt man zur Ruhe?

Warum sich zur Ruhe zwingen (müssen)? Aus einem Überangebot von Ablenkungsmöglichkeiten, Stress im Alltags- und Berufsleben fällt es den meisten Menschen schwer zur Ruhe zu kommen oder sie überhaupt zu finden. Sich abends nach getaner Arbeit auf die Couch zu legen und fernzusehen, bringt zwar einen gewissen Entspannungseffekt, aber es bedeutet nicht zur Ruhe zu kommen, und es hat auch nicht unbedingt etwas mit Energieaufnahme zu tun – im Gegenteil: man wird berieselt und Körper und Geist müssen unbewusst weiter (ver)arbeiten.

Ruhe und Kraft aufnehmen

Ruhe und Kraft kann man erstens durch „nichts tun“ aufnehmen. Wobei nichts tun ja letztlich immer „Atmen“ bedeutet: also ruhig, gleichmäßig, langsam und tief atmen. Dadurch entspannt sich der Körper, das zentrale Nervensystem beruhigt sich, die Verdauung wird angeregt. Ruhe und Kraft kann man zweitens aufnehmen im Liegen, Sitzen, Gehen oder Stehen: das soll uns bewusst sein. Ruhe und Kraft aufnehmen kann man drittens durch Meditation, was aber im Grunde auf Punkt 1 und 2 referenziert. Ja, so einfach wäre das eigentlich – ist es aber tatsächlich nicht!

Ruhe und Atmung in Qi Gong und Tai Chi

Qi Gong und Tai Chi verbinden und beinhalten alle oben genannten Elemente. Es sind Erleichterungen und Anleitungen für die richtige Atmung, die richtige Haltung, die Ruhe, die Ordnung und besonders für die Energie in Körper und Seele. Die durch die Qi Gong- und Tai Chi-Formen vorgegebenen Schritte leiten uns insofern an, als dass die Bewegungen und Schritte nur in einer bestimmten – nämlich der richtigen Ordnung – funktionieren können. Qi Gong und Tai Chi zeigen uns ein altes Wissen über diese Ordnungen, das wir lange schon vergessen haben.

Physikalisch gesehen

Damit die Energie wieder fließen und sich übertragen kann, ist am Anfang Kraft(aufwand) notwendig. Danach – richtig angewendet, also ohne die Kraftübertragung zu unterbrechen – fließt alles wie von selbst. Wie ein Fluss, der irgendwo seinen Ursprung, seine (Kraft)Quelle hat.

Resilienz und ein gesundes Leben

So ist es nicht verwunderlich, dass neuen Schülern die ersten Unterrichtseinheiten recht schwer fallen und auch verschiedene Abwehrreaktionen auftreten können. LehrerInnen haben hier eine besondere Aufgabe der sensiblen Begleitung und Vermittlung von Zuversicht und Ruhe. In einem geeigneten Umfeld können sich bald erstaunliche Fortschritte zeigen. So kann sich das Training auf alle Lebensbereiche positiv auswirken. Vitalität, Gesundheit, Kraft, Ruhe und Ausgeglichenheit leisten einen erheblichen Beitrag für unsere Resilienz. Diese Erkenntnisse – durch das Erleben am eigenen Körper – begründen eine der Faszinationen an Qi Gong und Tai Chi.

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