Die Wudang Prinzipien – eine Verkaufsmasche

Vor allem in Deutschland und Österreich preisen so manche Schulen mit den Wudang Prinzipien und den Wegen des Dao. Was steckt tatsächlich dahinter? Das möchte ich hier selbst als Wudang San Feng Linienhalter bekanntgeben:

Die ungelernten Meister aus Wudang

Wenn man eine Wudang Ausbildung macht, egal welche Linie (Sekte), dann gibt es mehrere Wege wie man zum „Disciple“ oder „Inheritor“ (Linienhalter) wird. Wie in jeder Disizplin, gibt es auch hier schwarze Schafe und mehr oder weniger intensive Schulen.

San Feng Pai hat in Wudang einen guten Ruf und die Meisterausbildung ist teuer und zeitintensiv (fünf Jahre). Dies ist einer der Gründe wieso in Europa so gut wie keine offiziellen San Feng Pai Schulen existieren. Wer eine Wellnessausbildung in Aussicht hatte oder ein spezielles Programm, in der ein Zertifikat zum Linienhalter gesichert wurde, sah sich dann doch eher nach anderen Schulen um. Wir, Europäer schauen doch immer wo es was günstiger gibt, das Traurige dabei ist, man bekommt, was man bezahlt.

Jeder Meister und jede Linie kann potentiell eine gute Sache sein, jedoch hat man in China im Vorhinein aufgehört Ausländer traditionell zu unterrichten. Die echten traditionellen Klassen bleiben den Ausländern meist verwehrt, da ein zu großer Konflikt mit unserem Bild der Menschenrechte befürchtet wird. Nur nach mehrmaligen Beweisen möge die Gunst des Meisters den Zugang in so eine Klasse gewähren.

Das Mystifizieren der Wudang Ausbildung, dem Leben in den Tempeln, ist eine gängige Verkaufsmasche der europäisch geführten Wudang Schulen. Trainiert werden auf oder ab ca. sechs bis acht Stunden am Tag, das Training ist kein Zuckerschlecken und von hundertdreißig Schülern steigen zwischen vier und fünf erfolgreich aus. Es mag schon sein, dass gewisse Meister in Europa so ein Training gemacht haben, die Wenigsten sind allerdings aus einer traditionellen Klasse erfolgreich ausgestiegen. Abschlüsse werden trotzdem oft verteilt nur damit die Wudang Kunst in Europa bekannter wird.

Es zählt das wahre Können

Eine Fehlinterpretation des Qi ist ein lockeres Wackeln oder Schwanken während der Kung Fu oder Tai Chi Bewegungen. Niemand, der eine seriöse Ausbildung hat, würde während Bewegungen wackeln oder schwanken. Kraft entsteht aus der Ruhe (Wuji), zusammen mit Richtung und Intension erzeugen wir Fajin (explosive Energie). Dies entsteht augenblicklich als großes Ganzes und ist so anwesend wie Himmel und Erde. Alles entsteht gleichzeitig und endet gleichzeitig wieder im Ursprung – Wuji.

Die Prinzipien, die hier zählen, sind klassische Tai Chi Prinzipien, die Kontrolle von Geist und Körper, die Umsetzung der Kraftwege und der Elemente (Bagua), aus der Ruhe fokusieren und Yin und Yang in eine Richtung bringen. Jede Störung oder Unterbrechung in Form von cool aussehendem Wackeln oder leichtem Schwanken wirkt sich kontraproduktiv auf den Kraftweg aus und stört den Mittelpunkt (Dantian, Wuji).

Richtige Wudang Bewegungen kommen aus der Tai Yi (Liang Yi) Lehre

Aus der Atmung entsteht Kraft, mit der speziellen Atemtechnik wandelt man Entspannung in maximale Kraft um. Aus Yin entsteht minimaler Widerstand, aus Yang ein Gegenpol zum Kraftweg. Der Wandel aus Yin zu Yang und umgekehrt ist etwas, das sich traditionelle Wudang Schulen bis zur Meisterschaft angeeignet haben. Der Ausdruck dieses Wandels ist bekannt als Fajin (explosive Kraft), jedoch ist Fajin nur ein Bestandteil der gesamten Tai Yi Lehre. Die richtige Tai Yi Technik sieht für Außenstehende wie folgt aus: 1. Die Bewegungen bekannt aus einer Ruheposition; 2. Die Bewegung beschleunigt exponentiell (heranwachsend) aus der Langsamkeit, in dieser Phase wird langsam ausgeatmet mit Druck nach unten; 3. Eine lockere schnappartige explosive Bewegung aus dem Zentrum, meist nach oben oder in eine Richtung und wird blitzartig ausgeführt, dabei muss der eigene Schwerpunkt unbewegt bleiben, die Haltung verändert dabei nicht ihre Höhe. Somit wird der Kraftweg in eine Richtung aus dem Zentrum befördert (Golfballeffekt: Der Stand des Golfballes bleibt beim Abschlag unbewegt); 4. Nach Abschluss der explosiven Bewegung findet sich der Körper wieder in eine Ruheposition (Wuji) zurück, ein langes Nachwackeln entspricht nicht mehr der Kraft aus dem Dantian (Schwerpunkt) und ist somit kein echtes Tai Yi.

Mystifizierung der Wudang Technik

Wer nicht wirklich alles in Wudang gelernt hat, kann diese Inhalte auch nicht weitergeben und muss seine eigenen Konzepte anbringen. Die gesamte Lehre, die sich über Generationen entwickelt und bewiesen hat, muss nicht neu für Europäer erfunden werden. Die eigene Identifikation im Training ist wichtig, jedem kann Wudang Training helfen, nur muss nicht jeder sich als Meister präsentieren.

Was bedeutet das Wort Meister für mich?

Meister ist eine skurrile Bezeichnung, dem sogenannten Meister selbst interessiert dies wenig, denn das, was er macht ist konkurrenzlos anerkannt. Nehme man ein Reis-Dorf, in dem viele Reisbauern leben. Eines Tages ändern sich die Zeiten und Pelze* werden lukrativer, denn Reisbauern gibt es in dem Dorf bereits genug und der Reis verliert aufgrund mangelnder Nachfrage an Wert. Während sich die Dorfbevölkerung dem Trend anschloss und anstelle von Reisfeldern neue und größere Häuser gebaut wurden, blieb ein Reisbauer seiner Tradition treu. Das Volk belächelte ihn und genoss die gute Zeit im Wohlstand. Am Höhepunkt des Reichtums wurde der mangelnde Reis immer teurer, wirtschaftlich holte der Preis der Reissäcke die reiche Bevölkerung ein. Die letzte Rettung waren die Felder des letzten Reisbauern und die vergessenen Traditionen des Reisbauern. Da der letzte Reisbauer, den Reis so gut wie niemand anderer anbauen konnte, wurde er vom Volk zum Reis-Meister ernannt. Respektvoll wurde dem Reis-Meister im Dorf begegnet, er selbst lächelte nur.

Der Weg der Wudang Kunst

Meisterschaft oder nicht, steht außer Frage, die Kultur soll erhalten bleiben und die Traditionen berücksichtigt. Es gibt zu viele Scharlatane, die ein falsches Gedankengut an ihre Jünger weitergeben. Der daoistische Weg ist ein harter Weg und genau wie der harte Weg des Reis-Meisters bleibt man der Tradition treu, da Reis-Anbau das ist, was er gelernt hat. Die Wudang Kunst ist ein bewährtes Gedankengut, das statt dem Trend zu folgen, nicht verändert werden muss, in Zeiten der Not sind solche Linienhalter wichtig um das Selbstverständnis mit dem Dao, dem Gleichgewicht, wiederherzustellen.

*Bezogen aud ein wahres Wirtschaftsproblem nach historischen Begebenheiten des antiken chinesischen Kaiserreiches.
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