Kulturschock: Tai Chi Kurse richtig machen!

Tai Chi ist ein fortlaufender Prozess und genau deswegen kommt es aus eigener Erfahrung bei uns in Wien oft zu Missverständnissen.

Was machen wir in Wien anders als in China?

Bestenfalls sollte man als Lehrer im Kurs gar nichts anders machen. Die Auffassung in unserer Kultur ist jedoch im Vergleich zu China sehr gespalten.

Konsumverhalten ablegen

Die Aufgaben des Meisters/Trainers sind nicht Tai Chi besonders leicht verständlich und angenehm zu machen. Eine „Wellness Kur“ mit dem Namen Tai Chi gibt es nicht. In China kriegt man das Können nicht auf den Tablet serviert, sondern wird antrainiert durch jahrelanges Training.

Selbstverantwortung übernehmen

Der Meister/Trainer übernimmt für die Schüler keine Verantwortung. Der eigene Fortschritt ist aus der eigenen Energie, die man im Training reinsteckt zu erlangen. Die Übungen und Themen können von den Schülern angenommen werden oder auch nicht. Mitdenken statt tun was alle machen! Überschüssige „Anhängsel“, die über ihr Training keine Selbstverantwortung übernehmen, werden in China rasch aus der Gruppe entfernt. Man legt das Vertrauen nicht in die Kraft des Meisters/Trainers, sondern in die eigene Hand.

Schönreden weglassen

Tai Chi ist eine sehr pragmatische Methode um selbst mit Konflikten umzugehen und diese besser zu erkennen. Das typische Schönreden von Tai Chi geht jeden Meister/Trainer auf den Keks, denn es ist harte Arbeit und mit viel emotionalen Momenten verbunden. Wer seinen Meister/Trainer wirklich beeindrucken will, bleibt still und zeigt Ergebnisse durch das eigene Training.

Weniger reden, mehr tun

Es wird viel über die Thematik Tai Chi gesprochen, doch wird gar nichts davon ohne eigentliches Training verstanden. Wenn Sie zwei Wochen Tai Chi lernen und dann ein Buch über I-Ching oder Baguatheorie in die Hand nehmen, dann versuchen Sie es am besten nach sechs Monaten Training nochmal. Tai Chi basiert auf Lebenserfahrung und während viele Dinge das Training positiv beeinflussen können, kann auch das Nichtwissen, um unvoreingenommen mit sich selbst umzugehen, von Vorteil sein. Bildung resultiert schnell in Einbildung und Vorstellungen schnell in Wahnvorstellungen.

Kontinuität statt Gelegenheit

Während dem Training sind Übungen konstant durchzuführen und wenn diese abgeschlossen sind nochmals zu wiederholen bis jemand etwas anderes sagt. Der Grund, wieso Sie im Training jetzt hier sind, ist genau dieser Zeitpunkt, ist der Meister/Trainer der Ansicht Sie sollten etwas anderes machen, dann wird er Ihnen dies mitteilen. Nach Verlassen des Kurses ist privat weiter zu trainieren wenn Sie es mit Tai Chi ernst meinen. Ohne tägliche Übung werden Sie in 20 Jahren kaum Fortschritte haben – so kompliziert (einfach) ist Tai Chi.

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