Bedeutung der Klarheit im Tai Chi

Klarheit ist ein ganz essentieller Faktor im Tai Chi. Jede Bewegung hat eine Richtung, eine Energie, eine Absicht. Der Körper agiert als eine verbundene Einheit, der Geist sendet den Atem und der Atem bewegt den Körper. Ein Prinzip, das ich erst nach langer Übung begonnen habe zu verstehen und bis an mein Lebensende vertiefen werde.

Die Form ist die Essenz

Der erste Schritt zum Verständnis ist eine Klärung des Bewusstseins, eine klare Wahrnehmung der Vorgänge beim Ausführen der Form (vorgegebener Bewegungsablauf und Herzstück jedes Tai Chi Stils). Das Registrieren und Ausmerzen von unbewussten, ungewollten Bewegungen.

Kenntnis der Körperteile

Für diese Klarheit in den Bewegungen ist es sehr hilfreich den Körper in Bereiche und Teile zu gliedern:

  1. Die Wirbelsäule: Bestehend aus dem Atlas (oberster Teil der Wirbelsäule, mit dem Kopf verbunden), dem Mittelteil der Wirbelsäule (Brust- und Rumpfbereich) und dem Kreuzbein.
  2. Die Arme: Bestehend aus Schulter, Ellenbogen und Handgelenk
  3. Die Beine: Hüftgelenk, Knie und Sprunggelenk

Diese drei Bereiche bilden auch die drei Energiekreise, die zusammenspielen müssen um eine wirkliche Einheit zu erreichen. Wobei der erste Bereich der fundamentalste ist, ohne eine Aktivierung der Wirbelsäule ist es unmöglich oben und unten zu verbinden. Die Verbindung zu diesen Gelenken muss während der Ausführung der Form ungebrochen sein, nur dann sind die Bewegungen klar und zunehmend vom Geist geführt. Wobei es sich hier um einen Prozess handelt, der unendlich verfeinert und vertieft werden kann.

Die sechs Entwicklungsstufen

Es gibt sechs Entwicklungsstufen, die man beim Erlernen von Tai Chi Chuan durchläuft. Obwohl diese in der Praxis nicht scharf abgegrenzt sind und teilweise ineinanderfließen:

  1. Erlernen der Form: Die Bewegungen selbst werden erlernt und die Körperwahrnehmung verbessert.
  2. Die Bewegungsmechanik: Die Bewegungsmechanik und das Zusammenspiel der Gelenke wird verstanden und vertieft.
  3. Bewusstsein: Die Führung der Bewegungen und das Zusammenspiel der Gelenke werden vom Bewusstsein geführt und der Bewegungsfluss kontinuierlicher gemacht.
  4. Innere Dehnung und elastische Kraft: Jetzt lernt man durch das korrekte Zusammenspiel der Gelenke die inneren Strukturen (Sehnen und Bänder) zu dehnen und macht sie durchgängiger für die vitale Lebensenergie.
  5. Atmung: Diese Durchgängigkeit ist notwendig um nun mit der Atmung zu verbinden. Der Geist bewegt die Atmung, die Atmung bewegt den Körper. Direkt und ungehindert von Blockaden. Auch gezielte Atemübungen kommen hier unterstützend dazu.
  6. Meditation: Die höchste Stufe vereint all die oben genannten Elemente und perfektioniert sie. Es besteht hier kein Unterschied mehr zwischen Geist und Körper, es ist die perfekte Harmonie.

Oder wie es die alten Meister ausgedrückt haben: „Die totale Freiheit des Körpers und der höchste Zustand. Die Rückkehr zu unserer wahren Natur, die Realisation des Tao.“

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